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Wie viel Zeit mit digitalen Medien ist gesund? 

  • Abgebildet ist ein aufgeklappter Laptop in der Farbe Grün. Rechts oben in der Ecke befindet sich ein blaues Fragezeichen.
    Egal ob Social Media, Streaming oder Computerspiele: digitale Medien machen Spaß! Sie bieten Kindern und Jugendlichen unzählige Möglichkeiten für Kommunikation, zur Unterhaltung und zum Lernen. Nicht selten bleiben sie jedoch an den Angeboten hängen und verbringen mehr Zeit mit digitalen Medien als eigentlich vorgesehen war. Das bereitet Eltern und Fachkräften oftmals Sorgen.

Exzessive Mediennutzung kann negative Auswirkungen auf das Sozialleben, schulische Leistungen und vor allem auch auf die eigene Gesundheit haben. Einen guten Umgang mit digitalen Medien zu finden und die eigene Mediennutzung regelmäßig zu reflektieren ist somit wichtig für das allgemeine Wohlbefinden. Deswegen stellen sich viele Fachkräfte die Frage: Wie viel Medienzeit ist eigentlich zu viel? Und wie kann ich Kindern und Jugendlichen einen gesunden Umgang mit digitalen Medien vermitteln?

Was heißt gesunde Mediennutzung?

Gesunde Mediennutzung ist kein fest definierter Begriff. Fakt ist, dass Medien zum (modernen) Leben dazugehören und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Klar ist auch, dass es eine pathologische Mediennutzung gibt. Folglich besteht eine gesunde Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen darin, eine Balance zwischen dem Medienkonsum und den zentralen (Entwicklungs-) Aufgaben im Leben zu finden.

Wie viel Medienzeit ist gesund?

Das Bild zeigt eine Gruppe von Kindern, die jeweils ein Mobilgerät in Händen halten und damit ihre Gesichter verdecken. ©Seventyfour - stock.adobe.com
Bild: © Seventyfour - stock.adobe.com

Für Kinder und Jugendliche gibt es allgemeine Empfehlungen für Nutzungszeiten, die eine grobe Orientierung geben. Wie lange ein Kind die Medien nutzen darf, hängt allerdings von vielen verschiedenen und individuellen Faktoren ab. Dazu gehören Fähigkeiten, Kenntnisse und Vorerfahrungen des Kindes. Als grobe Orientierung lässt sich dabei festhalten, dass Kinder erst ab zwei Jahren beginnen sollten, Medien zu nutzen und das für etwa fünf bis zehn Minuten am Tag. Ab vier Jahren können etwa zwanzig Minuten Medienzeit eingeräumt werden, ab sieben Jahren maximal sechzig Minuten täglich und ab elf Jahren etwa neunzig Minute pro Tag. Bei Jugendlichen kann es sich lohnen, ein wöchentliches Kontingent auszuhandeln.

Ab welchem Punkt Kinder und Jugendliche zu viel Zeit mit digitalen Medien verbringen oder sie auf ungesunde Art und Weise nutzen, ist meist aber nicht nur von der Dauer, sondern auch von der Art und Weise der Nutzung abhängig. Dabei können wir Erwachsene meist ganz einfach auf unser Bauchgefühl hören: Wenn sich die eigene Mediennutzung ungesund und zu lang anfühlt oder erste Warnzeichen erkennbar werden, ist es wichtig, sich mit ihr genauer auseinanderzusetzen. Kinder und Jugendliche müssen dieses Bauchgefühl erst entwickeln. Daher ist es wichtig, sie bei der Nutzung von digitalen Medien zu begleiten und Inhalte gemeinsam zu besprechen.

Lange und exzessive Nutzungszeiten können physische und psychische Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben. Wer zu viel vor dem Computer sitzt, leidet beispielsweise eher unter Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder auch unter einer Reizung der Augen. Langfristig fördert der Bewegungsmangel Übergewicht und Adipositas. Bei zu langer Nutzung des Smartphones im Bett kann zudem die Schlafqualität gemindert werden. Ebenso kann eine exzessive Nutzungsdauer mit einer Vernachlässigung von sozialen Aktivitäten einhergehen, was zur Isolation und sozialen Problemen führen kann.

Auch die psychische Gesundheit kann unter erhöhter Mediennutzung leiden. Die Darstellung von scheinbar perfekten Körpern und Leben können Unsicherheiten und Selbstzweifel fördern. Die rapide Verbreitung negativer Nachrichten und Informationen kann zudem Ängste schüren, übermäßige Sorgen bereiten und Depressionen fördern. Nicht selten verleiten soziale Medien zum sogenannten „Doom Scrolling“, bei dem das Herausfinden aus dem konstanten Fluss von negativen Informationen, Bildern und Beiträgen immer schwieriger wird.

In schlimmen Fällen kann die übermäßige Mediennutzung auch zu Suchtproblematiken führen. Diese gehen oft einher mit Unruhe, Aggressivität, Nervosität, Niedergeschlagenheit, Schlafproblemen, Energielosigkeit oder Konzentrationsproblemen.

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Auf welche Anzeichen sollte bei Kindern und Jugendlichen geachtet werden?

Das Bild zeigt vier Kinder im Wald. Zwei Mädchen gucken auf ein Handy, zwei Jungs schauen in die Ferne. © highwaystarz - stock.adobe.com
Bild: © highwaystarz - stock.adobe.com

Auch wenn es keine pauschale Antwort auf die Frage der angemessenen Nutzungsdauer bei Kindern und Jugendlichen gibt, so liefern einige Anhaltspunkte doch klare Hinweise darauf, dass ein Imbalance zwischen digitaler Mediennutzung und Offline-Leben besteht. Folgende Fragen können helfen:

  • Womit verbringen Kinder und Jugendlichen ihre Zeit online?
  • Wie hoch ist die durchschnittliche Nutzungsdauer?
  • Bleibt noch genügend Zeit für Hobbys in der Offline-Welt?
  • Bleibt dem Kind oder Jugendlichen noch genügend Zeit für Schule und Freundinnen und Freunde und Aktivitäten in der Familie?
  • Welche Inhalte werden von den Kindern und Jugendlichen hauptsächlich konsumiert?
  • Wissen die Eltern welche Inhalte konsumiert werden?
  • Gibt es in der Familie Nutzungsregeln/ Zeitbeschränkungen?

Wie kann ich Kinder und Jugendliche im gesunden Umgang mit Medien unterstützen?

Eine gesunde Mediennutzung ist keine Selbstverständlichkeit. Kinder und Jugendliche benötigen Unterstützung und sollten auf diesem Weg von ihren Eltern, pädagogischen Fachkräften und Sozialarbeitern begleitet und angeleitet werden. Folgende Maßnahmen können dabei unterstützen:

Einen bewussten Umgang mit Medien fördern:
Kinder sollten lernen, Medien gezielt und bewusst einzusetzen, Inhalte kritisch zu hinterfragen und sich sicher im Internet zu bewegen. Das kann durch entsprechende Lernmodule erfolgen, durch Lerneinheiten in Schulen und weiteren (Bildungs-) Einrichtungen oder durch Medienerziehung zu Hause.
Gemeinsames Entdecken:
Altersgerechte Apps, Spiele und Webseiten können gemeinsam erkundet werden, um die digitalen Fähigkeiten des Kindes zu entwickeln und weiter zu fördern. Dabei sollten außerdem Erklärungen zu den jeweiligen Nutzungsmöglichkeiten, Chancen und Risiken erfolgen. Auch spielerisches Ausprobieren sollte hierbei ermöglicht werden.
Kreativen Umgang mit Medien fördern:
Kinder sollten nicht nur beim gemeinsamen Entdecken den Raum haben, sich spielerisch auszuprobieren. Das lässt sich darüber hinaus fördern, indem sie dazu ermutigt werden, Medien beim Lernen und Spielen kreativ einzusetzen und Medieninhalte auch selbst zu erstellen. Das kann beispielsweise in der Form von Videos, Blogartikeln oder anderen kleinen Medienprojekten stattfinden.
Kritische Medienbildung:
Neben dem kreativen Umgang mit Medien ist es wichtig, dass Kinder lernen, sich auch kritisch mit Medien auseinanderzusetzen. Eltern und Fachkräfte sollten Kinder ermutigen und anleiten, mediale Inhalte zu analysieren, Quellen zu prüfen und Falschinformationen zu erkennen.
Wissenserwerb lernen: 
In einer sich ständig ändernden Weit und einer schnelllebigen Instanz wie digitalen Medien, ist man ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt. Insofern ist es vor allem wichtig, Techniken des Wissenserwerbs in den Fokus zu rücken und Kindern und Jugendlihen beizubrignen, sich künftig auch selbst rund ums Thema digitale Medien sicher informieren zu können. 
Medien im Unterrichtsalltag: 
Medien sollten konsequent und adäquat in den alltäglichen Unterichtsalltag eingebunden werden. Das kann zum Beispiel über die regelmäßige Arbeit mit Notebooks, Whitebords und Präsentationen erfolgen. Dazu gehört auch, dass Kinder und Jugendliche lernen, selbst mit der Technik umzugehen und sie angemessen einzusetzen. 

Qualifizierung von Fachkräften:
Fachkräfte (und Eltern) sollten regelmäßig geschult werden, um mit den neusten Entwicklungen im Bereich der digitalen Medien und der Technologien Schritt zu halten. Nur dann können sie ihr Wissen an Kinder und Jugendliche weitergeben und mit ihnen auf Augenhöhe in Diskussionen eintreten. Auch der Unterrichtsalltag kann nur mit entsprechendem Wissen adäquat medial gestaltet werden.

Eltern mit einbeziehen:
Die Partizipation von Eltern ist entscheidend, denn die meiste digitale Zeit, wird außerschulisch verbracht. Insofern sollten Fachkräfte regelmäßig im Austausch mit Eltern stehen, ihnen wichtige Grundlagen der richtigen Medienerziehung vermitteln und sie ermutigen, sich aktiv mit dem Medienkonsum ihrer Kinder auseinanderzusetzen.
Peer-Ansätze fördern:
Peer-to-Peer-Lernen kann in vielen Fällen eine gute Möglichkeit sein, Kinder und Jugendliche dazu zu bringen, sich aktiv mit ihrer eigenen Mediennutzung auseinanderzusetzen, zu lernen, was eine gesunde Mediennutzung ausmacht und sich darüber auszutauschen. Oftmals wenden sich Jugendliche bei akuten Problemen oder unangenehmen Fragen zudem lieber an Gleichaltrige. Einen solchen Ansatz bieten beispielsweise die Medienscouts NRW.
Vorbild sein:
Eltern und Fachkräfte sind wichtige Vorbilder im Umgang mit digitalen Medien. Kinder nehmen sich oft ein Beispiel daran, wie die Menschen in ihrer Umgebung mit Medien umgehen. Zudem können sie nur einen angemessenen Umgang mit Medien erfolgreich vermitteln, wenn sie selbst einen guten Umgang mit diesen gefunden haben und sich regelmäßig mit Themen der Mediennutzung auseinandersetzen.
Grenzen setzen:
In der Kita, Schule und zu Hause sollten klare Regeln für die Mediennutzung aufgestellt und Grenzen benannt werden. Je nach Alter der Kinder, bzw. Jugendlichen können diese dabei miteinbezogen und die Regeln gemeinsam ausgehandelt werden. Auch so wird die kritische Auseinandersetzung mit Medienzeiten, Mediennutzung und ihren Grenzen gefördert.
Beteiligung der Kinder und Jugendlichen:
Wenn es darum geht Maßnahmen zu Medienkompetenzförderung zu konzipieren und auszugestalten, kann es hilfreich sein, die Kinder und Jugendlichen selbst in die Planung miteinzubeziehen. Sie können Ideen einbringen, Inhalte oder Situationen konkret benennen, die sie verunsichern, Interessengebiete verdeutlichen und einschätzen, welche Art der Vermittlung sie präferieren.
Förderung alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten:
Es sollten Alternativen zur Online-Welt geschaffen werden, beispielsweise durch niedrigschwellige Angebote und Bewegungsmöglichkeiten in der OGS, in der Form von AGs, in Jugend- und Freizeitzentren sowie in Sozialräumen.
Medien als Chance sehen:
Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, erst recht für Jugendliche. Gerade in der Kommunikation sind Medien bereits fester Bestandteil der Jugendkultur. Es ist wichtig, das anzuerkennen und Medien nicht als inhärent schlecht oder gefährlich anzusehen, sondern stattdessen die Chancen, die sie bieten, zu adressieren und nutzbar zu machen.

Landesanstalt für Medien NRW: Medienscouts NRW

Gute Ansätze aus der Praxis

Das Projekt „aufgeweckt 3.0 - gesundes Aufwachsen in der digitalen Welt“ im Rhein-Kreis Neuss setzt sich für die Gesundheit und Jugendlichen in sozial benachteiligten Stadtteilen ein. Mit einem ganzheitlichen Ansatz fördert es den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien, körperlicher Fitness, gesunder Ernährung und die Stärkung psychischer Ressourcen. Durch ärztliche Untersuchungen, Kurse und Workshops sowie einer engen Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren vor Ort trägt das Projekt dazu bei, die Lebensqualität junger Menschen nachhaltig zu verbessern.

Rhein-Kreis Neuss: "aufgeweckt 3.0 - gesundes Aufwachsen in der digitalen Welt" - ein Projekt in zwei Neusser Stadtteilen