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Digitale Helfer: Wie Apps und Co. die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen fördern und stärken können

  • Abgebildet ist ein aufgeklappter Laptop in der Farbe Grün. Rechts oben in der Ecke befindet sich ein blaues Fragezeichen.
    Während häufig die negativen Auswirkungen und Risiken der Mediennutzung auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beleuchtet werden, bietet der gezielte Einsatz digitaler Medien auch vielfältige Chancen zur Förderung der seelischen Gesundheit. In der Frage des Monats Juni möchten wir aufzeigen, welche Möglichkeiten und Ansätze es gibt und welche Herausforderungen dennoch bestehen.

Wie wird die seelische Gesundheit mit digitalen Medien gefördert?

Nachfolgend stellen wir Strategien sowie Medientypen vor, die potenzielle gesundheitsförderliche Aspekte aufweisen:

Zugang zu Informationen und Bildungsangeboten:
Diverse Inhalte im Internet befassen sich mit der seelischen Gesundheit und adressieren gezielt Kinder und Jugendliche. Sie vermitteln unter anderem Wissen zu psychischen Störungen oder geben Tipps zur Selbsthilfe. Durch das Internet haben Kinder und Jugendliche uneingeschränkten Zugang zu Informationen zur psychischen Gesundheit. So übernehmen beispielsweise Apps die Funktion eines „Stimmungstagebuchs“. Hier können Jugendliche ihre Gefühle und Stimmungen festhalten. Die Selbstreflexion über die verschiedenen Stimmungen trägt zur Bewusstseinsbildung bei. Daneben gibt es Plattformen, die geführte Meditationen und Achtsamkeitsübungen in Form von Videos anbieten. Diese können helfen, Stress und Ängste abzubauen.

Serious Games und Gamification:
Unter Serious Games werden Computer- und Videospiele verstanden, die der Wissensvermittlung dienen. Mit spielerischen Elementen wird die Motivation gefördert, um zum Beispiel den Heilungsprozess von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen zu unterstützen. Dieser Ansatz kann sich positiv auf die psychische Gesundheit auswirken, indem beispielsweise Wissen zur Förderung der persönlichen Widerstandsfähigkeit in kritischen Lebenssituationen vermittelt wird.

Mobile Gesundheitsanwendungen:
Kinder und Jugendliche sind zunehmend mit der Nutzung mobiler Anwendungen zur Unterstützung ihres Alltags vertraut. Zahlreiche Apps sind speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Heranwachsenden zugeschnitten. Dazu gehören beispielsweise Apps mit Achtsamkeitsübungen oder Anregungen zur Stressbewältigung, Apps mit einer digitalen Tagebuchfunktion oder auch Apps, die als Impulsgeber für Bewegung mit Bewegungsideen fungieren. Durch sie erhalten junge Menschen Empfehlungen und werden dabei unterstützt, gesundheitsbezogene Ziele zu erreichen. Solche Apps können präventiv eingesetzt werden, um einen gesunden Lebensstil zu fördern. Sie bieten Informationen zur psychischen Gesundheit und Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen.

Onlinegestützte Beratungs- und Therapieangebote:
Online-Beratung oder Online-Therapien können eine wichtige Ergänzung zur Face-to-Face Psychotherapie sein oder zunächst einen Einstieg in ein Beratungs- oder Therapieangebot darstellen. Sie bieten vor allem einen niederschwelligen und anonymen Zugang zu professioneller Unterstützung. Dies kann besonders für junge Menschen hilfreich sein, die möglicherweise Hemmungen haben, persönliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, oder die in akuten Krisensituationen schnelle Hilfe benötigen. Darüber hinaus stehen diese Dienste den Jugendlichen häufig rund um die Uhr zur Verfügung, was insbesondere in Krisensituationen von Vorteil sein kann. Sie eröffnen die Möglichkeit einer sofortigen und flexiblen Hilfe, die per Chat, Mail oder auch telefonisch erfolgen kann. Zudem besteht auch die Möglichkeit, eine Peer-Beratung in Anspruch zu nehmen. Bei Bedarf können die Fachkräfte oder Peer-Beraterinnen und Peer-Berater der Onlineberatung an weiterführende Angebote und persönliche Beratungsstellen vermitteln, um eine umfassende Unterstützung zu gewährleisten.[2,3]

Für Jugendliche gibt es mehrere Anlaufstellen im Internet, um anonym und kostenlos Hilfe von psychologischen Fachkräften zu erhalten. Ein Beispiel ist die Plattform „krisenchat.de“. Das niederschwellige, virtuelle psychosoziale Beratungsangebot richtet sich an junge Menschen bis zum Alter von 25 Jahren, senkt die Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen und bietet schnelle Unterstützung in Krisensituationen.

Online-Plattform: krisenchat

Welche Herausforderungen gibt es?

Natürlich darf der Einsatz von digitalen Medien zur Förderung der psychischen Gesundheit nicht ungefiltert empfohlen und sollte immer kritisch hinterfragt werden. Im Folgenden sind einige Aspekte aufgeführt, die beachtet werden sollten:

Qualität der Angebote:
Es sollte berücksichtigt werden, dass nicht alle digitalen Angebote wissenschaftlich fundiert sind. Die Verlässlichkeit der vermittelten Informationen kann variieren und im schlimmsten Fall zu Fehlinformation und Verwirrung führen.

Checkfragen:

  • Wurde das Angebot von vertrauenswürdigen Institutionen entwickelt?
  • Steht ein wirtschaftliches Interesse hinter dem Angebot?
  • Sind die Beraterinnen und Berater qualifiziert?
  • Ist das Angebot evidenzbasiert?

Datenschutz und Anonymität:
Gerade, wenn es um persönliche und sensible Gesundheitsdaten von Minderjährigen geht, sind die Datenschutzbestimmungen besonders wichtig. Apps und Plattformen sollten daher mit hohen und strengen Sicherheitsstandards arbeiten, um die Privatsphäre ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu schützen.

Checkfragen:

  • Wird in dem Angebot die Datenschutz-Grundverordnung (DGSVO) berücksichtig?
  • Welche personenbezogenen Daten der Nutzerinnen und Nutzer werden aufgenommen?
  • Wo werden die personenbezogenen Daten gespeichert?

Übermäßige Nutzung:
Auch wenn die Förderung der psychischen Gesundheit im Vordergrund der Angebote steht, kann eine intensive Nutzung zu negativen Folgen, wie z. B. Abhängigkeit, soziale Isolation oder Schlafstörungen, führen. Daher ist es wichtig, eine gesunde Balance bei der Nutzung digitaler Medien zu finden. Kinder und Jugendliche sollten von Eltern, Erziehungsberechtigten und Fachkräften dabei unterstützt werden, einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln und zu pflegen. 

Checkfragen:

  • Wurden Nutzungsregeln und Zeitlimits mit den Kindern und Jugendlichen besprochen?
  • Wird die Nutzung einer Anwendung begleitet?

Welche Zukunktsperserktiven bieten digitale Medien zur Förderung der seelischen Gesundheit?

Fakt ist, Kinder und Jugendliche wachsen heute mit digitalen Medien auf. Sie sind Teil ihres Alltags. Zu einem gesunden Aufwachsen gehört daher auch die Entwicklung und Förderung eines gesunden Medienumgangs, der einen ausgewogenen und verantwortungsvollen Umgang beinhaltet. Umso wichtiger ist es, nicht nur die negativen Folgen der Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche in den Blick zu nehmen. Vielmehr sollte ein reflektierter und bedürfnisorientierter Umgang mit digitalen Medien zur Förderung eines gesunden Medienumgangs von Kindern und Jugendlichen angestrebt werden. Als Fachkraft wäre es empfehlenswert, die Nutzung zu begleiten und bedarfsorientiert anzupassen. Zudem sollten vorrangig evidenzbasierte Anwendungen eingesetzt werden.

Auf der Online-Plattform „Frag Zebra“ finden Sie als Fachkraft weitere hilfreiche Hinweise zu der Frage „Welche Auswirkungen hat Mediennutzung auf mentale Gesundheit?“. In dem Artikel werden die positiven und negativen Effekte kurz beleuchtet und Hinweise zur Prävention gegeben.

ZEBRA: Welche Auswirkungen hat Mediennutzung auf mentale Gesundheit?

[1]Dadaczynski K., Tolks D.: Digitale Public Health: Chancen und Herausforderungen internetbasierter Technologien und Anwendungen. Public Health Forum 26 (2018), Nr. 3, S.275-278.

[2]Bittlingmayer U., Dadaczynski K. et al.: Digitale Gesundheitskompetenz – Konzeptionelle Verortung, Erfassung und Förderung mit Fokus auf Kinder und
Jugendliche. Bundesgesundheitsblatt 63 (2020), S. 176-184, unter: https://doi.org/10.1007/s00103-019-03087-6 (Abruf: 10.07.2024).

[3]Hebestreit A., Sina E.: Wirkungen digitaler Medien auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Schwerpunkt auf dem Verzehr ungesunder Lebensmittel. Bundesgesundheitsblatt 67 (2024), S. 292–299, unter: https://doi.org/10.1007/s00103-024-03834-4 (Abruf 10.07.2024).