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Hintergrund und aktuelle Situation in NRW

Hintergrund

Pflegeleistungen können mit vielfältigen Belastungen verbunden sein, die Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit haben. Von Pflegenden werden häufig das Gefühl, rund um die Uhr verfügbar sein zu müssen, sowie der hohe zeitliche Umfang der Pflege als Belastung wahrgenommen. Große Herausforderung stellen die Balance zwischen eigener Erwerbstätigkeit, Partnerschaft, der Kinderbetreuung und eigener Freizeit sowie die Bewältigung bürokratischer Hürden im Zusammenhang mit der Pflege dar. Trotz der Belastungen wird die Pflegetätigkeit aber auch als sinnhaft und befriedigend empfunden. 

Aktuelle Situation in NRW

Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Befragung der erwachsenen Bevölkerung Nordrhein-Westfalens (NRW-Gesundheitssurvey 2019)[1] pflegen oder unterstützen 23 % der befragten Frauen und 19 % der befragten Männer privat mindestens einmal pro Woche eine Person, die an einer Behinderung, an altersbedingten Beschwerden oder einer chronischen Erkrankung leidet. In jeweils 85 % der Fälle handelt es sich dabei um ein Mitglied der Familie.

Systematische Übersichtsarbeiten sowie auch der NRW Gesundheitssurvey 2019 belegen deutliche negative Effekte einer häuslichen Pflegesituation auf die seelische Gesundheit der pflegenden Angehörigen. Insbesondere die Häufigkeit von Depressionen scheint anzusteigen, umso mehr wenn ein intensiver Pflegebedarf besteht.[2] 

Während der aktuellen Pandemie stehen pflegende Angehörige, insbesondere wenn sie aufgrund des eigenen höheren Lebensalters selbst zur Risikogruppe gehören, vor vielfältigen Herausforderungen, die auch die seelische Gesundheit noch stärker als bisher belasten können. Sei es, dass sie die aktuellen Hygieneanforderungen in der Pflegesituation nur schwer einhalten können, oder dass das ausländische Pflegepersonal derzeit nicht mehr einreisen kann und pflegerische Tätigkeiten nun verstärkt oder ganz ohne Unterstützung durchgeführt werden müssen.

[1] Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) (Hrsg.): Alt werden in Nordrhein-Westfalen. Bericht zur Lage der Älteren. Altenbericht. Düsseldorf 2020.

[2] Bom J., Bakx, P., Schut, F., van Doorslaer, E.: The Impact of Informal Caregiving for Older Adults on the Health of Various Types of Caregivers: A Systematic Review. Gerontologist. 59 (2019), Nr. 5, S. e629-e642.